Über die wirtschaftliche Situation Deutschlands des 18. Jahrhunderts

Die Wirtschaftliche Situation Deutschlands im 18. Jahrhundert

Die Wirtschaftliche Situation im 18. Jahrhundert erstarkende Bürgertum bildete in Deutschland noch eine relativ kleine Schicht der Bevölkerung. Im Vergleich zu seinen Nachbarländern England und Frankreich war Deutschland wirtschaftlich rückständig. Noch 80 % der Bevölkerung arbeitete in der Landwirtschaft.

Der Bereich des Handwerks war geprägt durch die Organisationsform der Zünfte, die durch genaue Absprache der Preise, der Gesellenzahl und der Meisterrechte für ein enges Standesdenken und Schutz der eigenen Privilegien sorgte und sich damit insgesamt hemmend für eine Weiterentwicklung der Wirtschaft auswirkte.

Aber nicht nur das Festhalten an überlieferten Strukturen im Bereich der Zünfte verzögerte den Beginn einer Industrialisierung, wie sie bereits in England im 18. Jahrhundert aufgezeigt werden kann, sondern auch das Fehlen von Kolonien und die damit zusammenhängenden Märkte und Handelswege sowie das Anwachsen von Kapital im Bereich des Handels. Darüber hinaus bedeutete die Aufteilung Deutschlands in zahlreiche Fürstentümer, dass ein einheitlicher nationaler Markt fehlte. „Stark beeinträchtigt wurde der Handel durch die Absonderung der Wirtschaftsräume, durch zahlreiche Binnenzölle, vielerlei Münzsysteme, ein unentwickeltes Kreditwesen, unvorstellbar schlechte Strassen und die geringe Zahl der schiffbaren Kanäle.“

Trotz dieser Hindernisse lassen sich am Beginn des Verlagswesens für das Textilgewerbe Vorformen einer Industrialisierung ablesen. Auch die Manufaktur gilt als Vorstufe für die Fabrik, sie umfasst bereits als Arbeitsstätte mehrere lohnabhängige Arbeiter und produziert arbeitsteilig, verfährt jedoch noch nach handwerklichen Methoden.

Das Handel- und gewerbetreibende Bürgertum, welches eine Expansion dieser Bereiche vorantrieb, blieb aber vorerst noch vom Adel abhängig. Die Manufakturbesitzer waren in der Mehrzahl bis in die siebziger und achtziger Jahre des Jahrhunderts angewiesen auf Monopolvergabe, Gewährung von Zoll- und Exportprivilegien und einer Freistellung von den Regeln der Zunftverfassungen durch den feudalen Souverän.

Die politischen Verhältnisse

Deutschland war seit dem Westfälischen Frieden (1648) in fast 300 Territorialstaaten aufgeteilt. Diese territoriale Zersplitterung verhinderte eine Entwicklung wie in England und Frankreich, wo der Absolutismus zur Regierungsform von Nationalstaaten geworden war. Für Preussen spricht man seit der Regierungszeit Friedrich II von der Zeit des Aufgeklärten Absolutismus.

Obgleich das 18. Jahrhundert als Folgezeit der bürgerlichen Revolution in England (1640 – 1660) und Vorbereitungszeit der französischen Revolution (1789-1794) bezeichnet werden kann, hielt sich in Deutschland eine konservative Staatsauffassung, „welche die gesellschaftliche Hierarchie als Abbild göttlicher Ordnung gelten liess, am göttlichen Auftrag der Obrigkeit und deren Verantwortung allein Gott gegenüber festhielt und besonders die heilsgeschichtlichen Ziele und Zwecke des Staates betonte.“

Zwar war die politische Macht der Fürsten in Deutschland ungebrochen und man kann lediglich von einer Zurückdrängung des Einflusses und der Privilegien des Adels sprechen, trotzdem gilt das 18, Jahrhundert als das Zeitalter des erstarkenden Bürgertums und der revolutionären bürgerlichen Ideologie unter dem Kennwort der Aufklärung.

Die Aufklärung wurde vom Bürgertum forciert und kann als eine geistige und praktische Bewegung bezeichnet werden. „Sie bedeutet die Mündigkeitserklärung der bürgerlichen Vernunft“. Unter ihrem Einfluss lockerten sich traditionelle Bindungen an Glaube und Kirche, alle Bereiche des Staates, der Wirtschaft, der Tradition wurden auf ihre Einsichtigkeit und Nützlichkeit hin untersucht und kritisiert. Reformen und weit vorweg greifende Vorschläge wurden für den Bereich der Rechtsprechung, des Erziehungswesens und der Sozialordnung initiiert.

Die soziale Lage

Die Sozialstruktur Deutschlands im 18. Jahrhunderts muss als Pyramide gezeichnet werden. An der Spitze stehen der Adel und der Klerus, es folgen der niedere Adel, das Militär und bürgerliche Beamte; das Bürgertum oder der sogenannte dritte Stand besteht aus Beamten, Kaufleuten, Advokaten, Lehrern, Händlern, Handwerkern und Bauern. Bedienstete und sozial Deklassierte bilden die unteren Randgruppen der Gesellschaft.

Charakteristisch für eine solche Ständegesellschaft ist der Mangel an sozialer Mobilität und Durchlässigkeit. Die Gliederung der Gesellschaft in klar abgehobene Stände mit jeweils spezifischen Lebensauffassungen mit unterschiedlichem Status in Recht und Staat blieb bestehen.

Im späten 18. Jahrhundert lässt sich bereits eine Annäherung des gehobenen Bürgertums und des Adels beobachten. Reiche Kaufleute heirateten oft in Adelsfamilien ein; Adelige übernahmen Kleidermode und Lebensformen des wohlhabenden Bürgertums. Auch machte es der wachsende Bedarf des Staates an qualifizierten Beamten in der Verwaltung und Offiziersstellen in der Armee notwendig, Bürgerliche in diese Bereiche zu holen.

Die wachsende ökonomische Macht des deutschen Bürgertums kann ihren politischen Machtanspruch jedoch noch nicht einlösen.

Der Einfluss des Bürgertums konzentriert sich also auf kulturelle Bereiche. Die Flut von Zeitschriften, das Entstehen von Lesegesellschaften und das Theater sind Ausdruck für die Bedürfnisse eines bürgerlichen Publikums.

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Dieser Artikel handelt über die wirtschaftliche und Soziale Situation Deutschlands im 18. Jahrhundert.
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